Politik sorgt bei Landwirten für zu viel Verdruss

Die wirtschaftliche Lage auf den Höfen hat sich in weiten Bereichen entspannt, umso mehr verunsichert die „politische Gangart“ die bäuerlichen Familien. „Es ist schlecht für unsere Höfe, wenn Landwirte in einem Klima des Misstrauens immer wieder mit unhaltbaren Vorwürfen konfrontiert werden“, schilderte Landvolkpräsident Werner Hilse die Stimmung in den agrarisch geprägten Regionen Niedersachsens. Die Bauern hätten ihre Höfe mit viel Eigeninitiative und unternehmerischem Weitblick für die Zukunft ausgerichtet. „Sie orientieren sich bei ihren Planungen an der Nachhaltigkeit, beobachten die Märkte und verbessern ihre Wettbewerbsfähigkeit“, betonte Hilse vor rund 200 Delegierten und 100 Ehrengästen auf der Mitgliederversammlung des Landvolkes Niedersachsen in Hannover. Er warnte Landes- und Bundespolitiker vor sprunghaften Richtungsänderungen und wünschte sich Entscheidungen, die sich stärker an der Leitlinie „Evolution statt Revolution“ orientieren.

Ganz konkret sprach er den Begriff „Agrarwende“ an, egal ob sanft oder nach vorne gerichtet, verunsichere dieser „politische Kampfbegriff“ die Agrar- und Ernährungswirtschaft. Hilse sagte, er vertraue auf die Zusage von Ministerpräsident Stephan Weil, dass eine wie auch immer angelegte Agrarwende nur mit der Landwirtschaft und niemals in Konfrontation zu ihr gelingen könne. Sorgen verursache das Projekt bei den Landwirten dennoch, wobei in erster Linie die Fülle der verschiedenen Vorschläge verunsicherte und Planungssicherheit immer mehr zum Fremdwort mache. Politische Entscheidungen vernachlässigten zunehmend die Überprüfung nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten, kritisierte Hilse.

Er verwahrte sich gegen pauschale Verdächtigungen gegenüber der Landwirtschaft und verwies in diesem Zusammenhang auf den jüngst von der Landesregierung vorgelegten Nährstoffbericht. Dieser entkräfte zuvor geschürte Zweifel an einem gewissenhaften Umgang mit Wirtschaftsdünger und belege eindeutig, dass landesweit genügend Flächen zur Aufnahme der Wirtschaftsdünger aus der Tierhaltung vorhanden seien. Als Konsequenz sei keine weitere Bürokratie in Form eines Düngekatasters notwendig. Vielmehr müsse die Aufbereitung von Gülle und Gärresten verbessert werden, um deren Transportwürdigkeit und nachhaltige Verwertung in den Ackerbauregionen zu erleichtern.

Viel Verdruss macht sich nach Beobachtung von Landvolkpräsident Werner Hilse bei der Mitarbeit am Tierschutzplan des Landes breit. In die Arbeitsgruppen würden durch den Landwirtschaftsminister mehr oder weniger willkürlich hinzugezogene und einseitig ausgewählte Spezialisten entsandt, der Lenkungsausschuss als oberstes Beschlussgremium sei auf die Funktion eines Beirates zurückgestuft worden. Dies entspreche nicht den Vorstellungen des Verbandes von einer vertrauensvollen und an fachgerechten Lösungen orientierten Zusammenarbeit, fasste der Präsident die Eindrücke der aus der Landwirtschaft mitarbeitenden Vertreter zusammen.

Dem schwierigen politischen Umfeld steht nach Einschätzung des Landvolkpräsidenten eine weitgehend entspannte Lage auf den Märkten gegenüber. Mit Blick auf den Milchmarkt erinnerte er daran, dass die gestiegene Produktion auf eine gute Nachfrage treffe und damit die Einkommen der Betriebe stabilisiere. „Wir überzeugen mit Qualität, Know-how und haben starke Verarbeitungsunternehmen an unserer Seite“, verdeutlichte Hilse. Niedersachsens Landwirtschaft zeichne sich durch eine zukunftsorientierte Agrarstruktur aus und habe sich die Pole-position erarbeitet. Aus dieser guten Ausgangslage wollten sich die Betriebsleiter nicht durch vermeintliche Experten zurückwerfen lassen.

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