Zanderzucht – schwierig, aber gut für eine nachhaltige Versorgung mit frischem Fisch

Einer der beliebtesten Speisefische – der Zander – soll in Deutschland jetzt in großem Maßstab in Aquakulturen gezüchtet werden.

In Hohen Wangelin in Mecklenburg-Vorpommern ist am Donnerstag der Probebetrieb für eine europaweit einmalige Pilotanlage mit 15.000 jungen Zandern gestartet. In der 95 Meter langen Halle wurde nach Angaben von Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) für mehrere Millionen Euro eine energiesparende Wasserkreislaufanlage installiert, in der die Vermehrung, Aufzucht und Produktion der Fische zur Produktionsreife geführt werden sollen. «Die Reproduktion der Zander ist weltweit noch nicht ausreichend planbar gelungen», erklärt Ulrich Spranger aus Plauen (Sachsen), dessen Firma die Anlage in einem Jahr aufgebaut hat.

Ziel ist es, ab 2015 jährlich 40 Tonnen Zander zu gewinnen. Dabei soll die knapp sieben Millionen Euro teure Anlage auch selbst zur Produktionsreife geführt werden. «Die Industrie wartet dringend auf handhabbare Ergebnisse», weiß Backhaus. Bisher werden Zander meist in Teichen aufgezogen, wo aber nicht die nötigen Mengen erzielt werden könnten, sagt ein Vertreter des Instituts für Fischerei Mecklenburg-Vorpommern. Und neue Teiche würden von der EU aus Umweltschutzgründen nicht genehmigt.

Für den Ausbau der sogenannten Aquakulturen, in denen Fische wassersparend und umweltschonend aufwachsen sollen, hat das Land deshalb eine Professur an der Universität Rostock eingerichtet, die das Zander-Projekt auch begleitet. Als Aquakultur wird die Zucht von großen Mengen Wassertieren unter kontrollierten Bedingungen etwa in Tanks, Käfigen oder abgetrennten Becken bezeichnet.

Besonders problematisch bei der Zucht des Raubfisches ist bisher die Anfütterung der kleinen Zander nach dem Schlüpfen und die spätere Umstellung von Lebend- auf Trockenfutter. «Wenn man zehn Prozent der Brut durchbringt, ist das heute schon ein Erfolg», sagt Spranger. Die kleinen Zander bekommen unter anderem Pantoffeltierchen als Futter, weil nur lebendes Futter ihnen die Stoffe gibt, die die jungen Raubfische am nötigsten brauchen.

«Der nächste Knackpunkt ist die Sortierung», sagt Spranger. Zander wüchsen unterschiedlich schnell. Das Problem: Ab einer bestimmten Größe werden die Fische Kannibalen. «Wenn man nicht aufpasst, kann das Becken schnell nur noch halb so viel Zander haben», erläutert der Experte. Nach 14 Monaten sollen die Zander 1,5 Kilogramm Gewicht haben und schlachtreif sein.

Die Pilotanlage besteht aus zwei schwarzen Kunststoffblöcken mit zahlreichen Pumpen und enorm viel Steuerungstechnik sowie 50 runden Becken für die Mast der größeren Tiere. In den mit Rinnen verbundenen Blöcken wird die Brut aufgepäppelt. Dabei werden ständig Nahrungsmenge, Temperatur, Zunahme und andere Parameter gemessen, um optimal über die kritische erste Zeit zu kommen. Allein für die Entwicklung dieser Steuerung seien mehrere Patente angemeldet worden.

Der Raubfisch gilt vor allem in Restaurants als sehr gefragt, wird in Deutschland aber immer weniger gefangen. Das Gros der Importe kommt aus Kasachstan. Gezüchtet wird der Zander in Aquakulturanlagen bisher nur in Dänemark und den Niederlanden in kleineren Mengen als jetzt in Mecklenburg-Vorpommern.

Hintergrund des Zander-Rückgangs ist die zunehmende Sauberkeit der Gewässer. Die Raubfische mögen aber nährstoffreiche Seen, sie jagen am liebsten im Trüben. Laut Fischereiinstitut war beispielsweise die Müritz als größter See innerhalb Deutschlands in der DDR-Zeit sehr nährstoff- und damit auch zanderreich. Durch weniger Landwirtschaft und immer effektivere Kläranlagen würden die Seen klarer, so dass wieder viele Maränen – ebenfalls gute Speisefische – darin vorkämen, aber deutlich weniger Zander.

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