Deutsches Schweinefleisch zerstört Märkte in Westafrika

Bauern-, Entwicklungs- und Umweltverbände forderten gestern auf einer gemeinsamen Pressekonferenz der „Wir-haben-es-satt“-Bauernsternfahrt auf dem Augustusplatz in Leipzig die Bundesregierung auf, die Überproduktion von Schweinefleisch zu stoppen.

Die deutsche Agrarwirtschaft importiere überwiegend aus Entwicklung- und Regenwaldregionen rund 6 Millionen Tonnen Futtermittel. Dadurch entstünden hierzulande Überschüsse an Fleisch und Milch, die zu Dumpingpreisen in den Export wanderten. Im Jahr 2010 habe die Überschussproduktion an Schweinefleisch bei 10 Prozent gelegen. Dennoch plane die Firma Tönnies in Weißenfels den Ausbau des Schlachthofes auf eine Kapazität von 20.000 Schweinen pro Woche. Diese systematische Überproduktion müsse gestoppt werden, forderten die Verbände.

Gründe dafür sind zahlreich und vielfältig: Deutsche Nahrungsmittelkonzerne, allen voran Schlachthöfe, setzten bereits jeden fünften Euro im Export in Drittstaaten um und zerstörten damit lokale Märkte. Die Umweltbilanz der Fleischproduktion in Massentierhaltung und der Fleischexporte sei durch Regenwaldrodung und Nitratbelastung von Gewässern extrem negativ. Zur Fütterung werde überwiegend gentechnisch verändertes Soja eingesetzt. Die Bevölkerung leide unter starken Emissionen der Mastställe.

Reinhild Benning, Agrarexpertin des BUND, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland: „Die wachsenden Schlachtfabriken ziehen weitere Mega-Mastanlagen nach sich. Diese werden mit Investitionshilfen aus EU-, Bundes- und Landesmitteln subventioniert. So profitieren Schlachtindustrie und Fleischexporteure indirekt von unseren Steuergeldern, obwohl eine Ausweitung der Überproduktion an Fleisch gesellschaftlich nicht mehr akzeptiert wird. Dies muss von Frau Merkel gestoppt werden.“

„Der Export von Schweinefleisch aus Deutschland zerstört in vielen Ländern auch des Südens die örtliche Landwirtschaft, weil dieser Export mit umfangreichen, meist indirekten Subventionen verbilligt wird. Dabei handelt es sich nicht um die Filetstücke. Aktuell werden aus der EU 168.000 Tonnen Schweinefleisch nach Afrika geliefert, davon alleine 33.000 Tonnen aus Deutschland, das meiste davon Reste wie Schweinefüße, Wirbelsäulen und Schwanzstücke“, so Stig Tanzmann vom Evangelischer Entwicklungsdienst e.V.

Davon wusste auch der Gast des Evangelischen Entwicklungsdienstes King-David Amoah, Vorstandmitglied des westafrikanischen Bauernverbands, zu berichten: „Für die Schweinehalter in Westafrika spitzt sich die Situation immer weiter zu. Gerade in meinem Heimatland Ghana und in der Elfenbeinküste werden die Landwirte zurzeit von den Märkten verdrängt. 2010 wurden die Märkte in Ghana mit 7.200 Tonnen und in der Elfenbeinküste mit 28.000 Tonnen gefrorenem Schweinefleisch aus der EU überschwemmt. Immer mehr Bauern verlieren ihre Einkommensgrundlage und rutschen in die Armut ab.

Dramatisch sind auch die Gesundheitsprobleme, die durch das Importfleisch verursacht werden. Eine geschlossene Kühlkette existiert nicht, und so ist das Fleisch häufig nicht mehr zum Verzehr geeignet, wenn es auf den Märkten angeboten wird. Schwere Durchfall- und Magen-Darmerkrankungen sind die Folgen. Die Bauern, die ich in meinem Verband vertrete, fürchten sich vor einem weiteren Ausbau der Tierhaltung in Deutschland, denn er wird steigende Exporte nach Afrika bedeuten.“

Doch die Verbände erkennen auch Bereitschaft zur Veränderung. So plane die EU-Kommission derzeit im Rahmen des EU-Agrarreformprozesses, die Subventionen an verpflichtende Umweltleistungen zu koppeln. Es gelte, Proteinpflanzen in die Fruchtfolge zu integrieren, um die heimische Landwirtschaft unabhängiger von Sojaimporten aus Regenwaldregionen zu machen. Dafür fordern die Verbände klare Vorgaben der EU-Kommission, um dadurch Überproduktion zu stoppen und faire Einkommenschancen zu sichern

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