Baden-Württemberg ist ‚Streuobstland‘.

“ Wir haben die bedeutendsten Streuobstbestände in ganz Europa. Bundesweit steht jeder zweite Streuobstbaum im Südwesten. Daher tragen wir auch eine besondere Verantwortung für diesen Lebensraum. Mit der Sympathiekampagne Streuobst wollen wir die Öffentlichkeit für das Thema Streuobst sensibilisieren und die Menschen, die sich bereits engagieren, unterstützen“, sagte der baden-württembergische Minister für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz, Rudolf Köberle MdL, am Freitag (3. September 2010) in Metzingen-Glems (Landkreis Reutlingen).

Streuobstwiesen würden nicht nur eine reizvolle Landschaft bieten, sie seien auch ökologisch sehr wertvoll. Wie eine vom Ministerium für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz in Auftrag gegebene landesweite Streuobsterhebung zeige, gingen die Bestände jedoch immer weiter zurück. Dies liege hauptsächlich daran, dass die Bewirtschaftung sich für viele Streuobstwiesenbesitzer nicht mehr lohne. „Die Zukunft unserer Streuobstwiesen hängt von der ökonomischen und von der gesellschaftlichen Wertschätzung ab. Wir wollen daher Anreize schaffen, damit es sich für Wiesenbesitzer lohnt, sich zu bücken, die Früchte aufzuheben und die Wiesen zu pflegen. Zugleich wollen wir die Menschen für die Bedeutung unserer Streuobstbestände sensibilisieren“, erklärte Köberle. Das Engagement des Landes umfasse dabei die gesamte Wertschöpfungskette – von der Pflege der Bäume über die Ernte der Früchte bis zur Vermarktung der Produkte.

Land fördert Streuobstwiesen jährlich mit 10 Millionen Euro

Das Land fördere den Streuobstbau im Rahmen mehrerer Programme jährlich mit rund 10 Millionen Euro. Wesentliche Förderprogramme seien neben dem Agrarumweltprogramm MEKA die Fördermaßnahmen über die Landschafts­pflegerichtlinie, Flurneu­ordnungsverfahren sowie die Zuwendungen zur Stärkung des ökologischen Landbaus. Daneben unterstütze das Land direkt die Verarbeitung und Vermarktung von Streuobstprodukten durch Förderung von Fruchtsaftbetrieben und regionalen Streuobstinitiativen. Um die Situation besser einschätzen und geeignete Maßnahmen entwickeln zu können, habe das Ministerium für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz eine „Streuobst-Wertanalyse“ in Auftrag gegeben. Ein interdisziplinäres Expertenteam habe eine Bestandsaufnahme der bestehenden Fördermaßnahmen erstellt und neue Maßnahmen zum Erhalt des Streuobstes auf Landes- und kommunaler Ebene entwickelt. Diese würden nun in Etappen umgesetzt.

Pflegezustand verbessern

Aktuell gebe es in Baden-Württemberg noch rund 116.000 Hektar Streuobstwiesen. Davon seien über 70 Prozent unregelmäßig gepflegte oder ungepflegte Bestände. Eine zentrale Frage sei daher, wie der Pflegezustand der Streuobstwiesen verbessert werden könne. „Wichtig ist dabei, die unterstützenden Maßnahmen noch stärker auf die Pflege der Baumbestände und die Anerkennung des vielfältigen ehrenamtlichen Engagements auszurichten“, sagte Köberle. Die verwahrlosten Streuobstbestände sollten daher in die Wiederherstellungspflege im Rahmen des Ökokontos nach Naturschutzrecht aufgenommen werden. Auf diese Weise würden Impulse geschaffen, damit überalterte und ungepflegte Streuobstbestände wieder gepflegt und revitalisiert würden.

Kampagne schafft Bewusstsein für Bedeutung der Streuobstbestände

„Streuobstbewirtschaftung kann allerdings nicht grundsätzlich von staatlicher Hand gegenfinanziert werden. Der Dreh- und Angelpunkt sind die Produkte, die sich für den Streuobstwiesenbewirtschafter rechnen müssen. Daher setzen wir mit unserer Sympathiekampagne auch gezielt beim Konsum und bei der Vermarktung an“, erklärte der Minister. Auf sympathische Art und Weise werde für Produkte aus dem Streuobstbau geworben. Die Öffentlichkeit solle für das Thema Streuobst sensibilisiert werden. Zugleich leiste die Kampagne einen Beitrag zur Wertschätzung der Streuobstbestände, indem die vielfältige Bedeutung des Streuobstbaus für das Land und seine Menschen kommuniziert werde. „Mit der Sympathiekampagne für unsere Streuobstbestände wollen wir einen Beitrag leisten, damit unsere Streuobstbestände quantitativ und qualitativ erhalten bleiben“, betonte Köberle.

Die Kampagne bestehe aus mehreren Bausteinen. Die weitere Verbesserung der Information, der Kommunikation und der Vernetzung zwischen den Akteuren seien für den Streuobstbau unverzichtbar. Das Streuobst-Internetportal http://www.streuobstwiesen-bw.de/ leiste daher hierfür einen wichtigen Beitrag. „Das Streuobstportal ist eine Informations- und Austauschplattform zum heimischen Streuobst. Hier finden Interessierte auch praktische Hilfe und Informationen zu Fördermöglichkeiten oder Schulungen“, sagte Köberle.

Kampagne gibt Streuobstbau in Baden-Württemberg ein Gesicht

„Wir wollen die Akteure unterstützen, die sich bereits für den Streuobstbau engagieren – bei der Kommunikation des Themas und bei der Vermarktung ihrer Produkte“, sagte Köberle. So könnten Streuobstinitiativen, Vereine und Verbände eine internetbasierte Gestaltungshilfe nutzen, um Faltblätter und Plakate für Veranstaltungen und Feste zu erstellen. Unternehmen der baden-württembergischen Fruchtsaftbranche könnten auf ansprechend gestaltete Versandboxen zurückgreifen, um für ihre Produkte zu werben. Mineralbrunnenunternehmen könnten das Angebot annehmen und auf ihren Flaschenetiketten für das Thema Streuobst werben. Mit den Zusagen der Unternehmen Ensinger Mineral-Heilquellen, Schwarzwald-Sprudel und Wildbadquelle Mineralbrunnen werde bereits in Kürze auf rund zwei Millionen Mineralwasserflaschen für den Streuobstbau in Baden-Württemberg geworben. „Durch einen einheitlichen Auftritt und ein Streuobstlogo gibt die Kampagne dem Streuobstbau in Baden-Württemberg ein Gesicht und schafft Aufmerksamkeit“, betonte Köberle.

Weitere Elemente der Kampagne seien ein Foto-Wettbewerb zur Findung eines Sympathieträgers oder eines Sympathiemotivs für den Streuobstbau und ein Landespreis „Innovation durch Vielfalt – Vielfalt durch Innovation“. Dieser werde 2011 erstmalig ausgelobt. Gesucht würden innovative oder auch in Vergessenheit geratene Produkte aus dem Streuobstbau mit Vermarktungspotential. „Die Kampagne ist in die Zukunft gerichtet – wir werden die Angebote und Maßnahmen kontinuierlich fortentwickeln und ausbauen“, sagte Köberle.

„Die Sympathiekampagne Streuobst lebt von den Menschen, Organisationen und Unternehmen, die die Angebote annehmen und mitmachen. Der Erhalt unserer Streuobstbestände hängt von Menschen ab, die sich entweder schweißtreibend für die Pflege einsetzen oder die vielseitigen und leckeren Streuobstprodukte konsumieren. Der baden-württembergische Streuobstbau braucht beide.“

Nähere Informationen zur Streuobstkampagne finden Sie unter http://www.streuobstwiesen-bw.de/

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