Ganztagsschule lässt keine Zeit fürs Ehrenamt

„Junge Menschen haben immer weniger Freiräume für ehrenamtliches Engagement“, sagt Katrin Biebighäuser, Vorsitzende des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL).

Sie verweist dabei auf den Bericht „Bildung in Deutschland 2010“, den die Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK) und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) vorgestellt haben. Daraus geht hervor, dass SchülerInnen achtjähriger Gymnasien (G8) deutlich seltener eine freiwillige Tätigkeit ausüben als G9-SchülerInnen. „Was der Bildungsbericht deutlich aufzeigt, betrachten wir als Jugendverband bereits seit Längerem mit Sorge“, betont Katrin Biebighäuser. Gerade im Ehrenamt stünden aber demokratisches und eigenverantwortliches Handeln im Mittelpunkt. „Informelles Lernen darf deshalb nicht durch einengende Zeit- und Strukturvorgaben der schulischen Bildung verhindert werden.“

Der Bildungsbericht fokussiert 2010 erstmals die Perspektiven des Bildungswesens im demografischen Wandel und die Auswirkungen der „alternden Gesellschaft“ auf das Bildungswesen: Während der Anteil der Personen mit 65 Jahren oder älter bis zum Jahr 2025 größer wird, sinkt der der unter 30-Jährigen im gleichen Zeitraum um 21 Prozent auf 21,3 Millionen Menschen. Entsprechend verringern sich die Zahl der BildungsteilnehmerInnen und die der SchülerInnen an allgemeinbildenden Schulen. In der Folge wird es große regionale Unterschiede geben mit einer Zunahme der BildungsteilnehmerInnen in den Ballungsräumen und einer Abnahme im ländlichen Raum.

Der Bund der Deutschen Landjugend befürchtet aufgrund der prognostizierten Entwicklung Personalengpässe bei Gesundheits- und Sozialberufen sowie Infrastrukturprobleme im ländlichen Raum und fordert daher dringend zum Handeln auf. „Ein Schritt ist die Erhöhung der Bildungsausgaben“, sagt Katrin Biebighäuser. Denn weniger BildungsteilnehmerInnen bedeuten nicht gleichzeitig weniger Kosten. „Einsparungen im Bildungsbereich bieten aufgrund des demografischen Wandels kein Sparpotenzial.“ Das geht auch aus dem Bildungsbericht 2010 hervor. Darin heißt es, dass die sich abzeichnenden finanziellen Spielräume insbesondere für Verbesserungen im Schulwesen benötigt werden. „Der Bund der Deutschen Landjugend begrüßt diese Einschätzung“, sagt Katrin Biebighäuser. „Wir halten es für notwendig, dass finanzielle Mittel in die Absicherung einer schulischen Infrastruktur für die ländlichen Räume investiert werden. Konkret bedeute das vor allem eines: Schulstandorte im ländlichen Raum müssen erhalten bleiben!“

Der zum dritten Mal vorgelegte Bildungsbericht als aktuelle Bestandsaufnahme zur Entwicklung des gesamten deutschen Bildungswesens wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und der Kultusministerkonferenz von einer unabhängigen Wissenschaftlergruppe unter Leitung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) erstellt. Die Studie wird alle zwei Jahre durchgeführt und soll der Politik zur Orientierung dienen.

Weitere Informationen unter www.bildungsbericht.de.

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