Rotstiftpreise für Frühstücksflocken, Pflanzenöl und Erdnuss-Snacks und jetzt zuletzt für Butter…..

Seit Jahresanfang setzt sich das Preisscharmützel im deutschen Lebensmitteleinzelhandel fort. Nach bereits zwei Preissenkungsrunden im Januar reduzierten in dieser Woche Lidl und die Supermärkte von Rewe, Tengelmann und Edeka die Preise für Butter und folgten damit mal wieder der Vorlage des Discountmarktführer Aldi. Anders als im vergangenen Jahr, als gesunkene Rohstoffpreise Ursache für insgesamt zwölf Reduzierungsrunden war, treibt jetzt vor allem der scharfe Wettbewerb den Preiskampf voran. Bauern und Produzenten betrachten die Entwicklung schon wieder mit Sorge. Freuen dürften sich höchstens die Verbraucher.

Offiziell begründen beispielsweise die Discounter ihre Preisreduzierungen weiter mit den Einkaufsvorteilen, die sie an die Kunden weitergegeben würden. «Wir verhalten uns da branchenkonform», heißt es beim Edeka-Discountableger Netto. Aldi empfiehlt sich in Zeitungsanzeigen sogar als das Unternehmen, dem die Menschen am meisten vertrauen: «Deshalb folgen wir konsequent unserem Grundsatz, nur Produkte von hoher Qualität dauerhaft zum günstigen Preis anzubieten.»

Der Handelsinformationsdienst Planet Retail sieht in den Preisreduzierungen für Butter auch noch keine neue Preissenkungsrunde. «Butter ist allerdings ein Eckprodukt, bei dem jeder auf den Preis guckt und die Preiswürdigkeit des Unternehmens misst», sagt Discount-Experte Matthias Queck. Die jetzige Preissenkung sei auf erneut kürzere Vertragszyklen und die «Schwäche des Fettpreises» zurückzuführen.

Signalwirkung von Aldi gefährlich

Die Entwicklung sei aber wegen der Signalwirkung so gefährlich. «Wenn Aldi vorlegt, gilt das oft über Monate und manchmal sogar Jahre.» Darauf müssten sich dann auch die Erzeuger einstellen. Dauerpreissenkungen hätten da ganz andere Auswirkungen als Sonderpreisaktionen. Als Beispiel nennt Queck die Preissenkung für Salz, die Aldi im Jahr 2000 vornahm und die bis auf eine leichte Korrektur bei der Euro-Einführung immer noch gilt. Auch die Politik ist erneut besorgt: «Wenn nur der Preis entscheidet, geht das irgendwann zulasten der Qualität und damit letztlich zulasten der Verbraucher», sagte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) bereits Mitte Januar.

Der Bauernverband und die Ernährungsindustrie fordern dazu auf, die Lebensmittel nicht länger zu verschleudern. Milch, Obst und Gemüsebauern fürchten wieder um ihre Existenz. «Die Milchbauern hatten ein extrem schwieriges Jahr, nach wie vor stehen viele mit dem Rücken zur Wand», heißt es beim Bauernverband. Nach Ansicht des deutschen Fruchthandels müssten die Erzeugerpreise je nach Produkt um fünf bis 15 Prozent höher liegen.

Preiskampf Ursache für Umsatzminus

Der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie zufolge sind die Preissenkungsrunden auch schuld daran, dass der Umsatz der Branche im vergangenen Jahr um vier Prozent zurückging. Auch die Gewerkschaft Verdi sieht darin eine Ursache für die herben Einbußen des Einzelhandels. Dessen Umsatz war im vergangenen Jahr mit einem realen Minus von 1,8 Prozent so stark gesunken wie seit sieben Jahren nicht mehr. Nach Ansicht des Branchenverbands HDE macht der Markt aber die Preise. «Das sollten sich Erzeuger und Industrie klar machen», betont HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Im vergangenen Jahr seien die Preise im Schnitt um 1,2 Prozent gesunken. Das habe nur die deutlichen Preissteigerungen von 2008 korrigiert.

Nach Einschätzung des Handelsexperten Queck spielt bei der aktuellen Preisentwicklung auch die weiterhin unsichere wirtschaftliche Situation eine Rolle. Experten gingen davon aus, dass die Verbraucher die Auswirkungen der Krise in diesem Jahr deutlich mehr als 2009 zu spüren bekommen. «Da bringt sich so manches Unternehmen jetzt in Stellung und versucht sich über die eigene Preiswürdigkeit zu positionieren», betont Queck.

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