Landwirtschaft und Klimaschutz … und Slow Foodige Ernährung

…. Das sagte Staatssekretär Gert Lindemann vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) heute in Braunschweig zur Eröffnung des zweitägigen Kongresses ‚Aktiver Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel – Beiträge der Agrar- und Forstwirtschaft‘. Mit mehr als 370 angemeldeten Personen ist es die größte Tagung, die bislang in Deutschland zu dieser Thematik stattgefunden hat. Veranstaltet wird sie vom Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI) und dem BMELV im Auftrag der Agrarministerkonferenz.

Land- und Forstwirtschaft sind sowohl Betroffene als auch Akteure des Klimawandels, wie Heinz Flessa vom vTI-Institut für Agrarrelevante Klimaforschung deutlich machte. So ging im Jahr 2007 der Ausstoß von Treibhausgasen in Deutschland zu rund 11 Prozent auf das Konto der Landwirtschaft. Der Hauptteil entweicht als Kohlendioxid (CO2) aus landwirtschaftlich genutzten Moorböden. Auch Lachgas (N2O) aus der Stickstoffdüngung und Methan (CH4) aus der Rinderhaltung sind bedeutend. Ein Teil der landwirtschaftlichen Emissionen wird kompensiert durch die Aufnahme von CO2 im deutschen Wald. An zahlreichen Einzelbeispielen wurde auf der Tagung verdeutlicht, wie höhere Durchschnittstemperaturen, zunehmende Sommertrockenheit und ein verändertes Schaderregerspektrum Kulturpflanzen und Waldbäume stressen und zu Ertrags- oder Qualitätseinbußen führen können.

Die Politik hat verschiedene Programme zum Energiesparen und zur Förderung von Bioenergie aufgelegt. Vorreiterprojekte in den Niederlanden versuchen, landwirtschaftliche Reststoffe in geschlossenen Kreisläufen zwischen Gewächshäusern, Tierhaltung, Aquakultur und Ackerbau zu nutzen, wie Jan de Wilt aus Utrecht darstellte. Doch welche Vorgehensweisen sind am aussichtsreichsten? Eine vergleichende Beurteilung verschiedener Klimaschutzoptionen ist bisher erst in Ansätzen erfolgt. Vorläufige Empfehlungen der Wissenschaftler sind unter anderem: Keine weitere Verringerung von Grünlandflächen, insbesondere kein Umbruch von Moorstandorten, Reduzierung der regionalen Stickstoffüberschüsse, zum Beispiel durch Güllebörsen, Neuanlage von Energieholzplantagen und verstärkte Nutzung von Holz in langlebigen Produkten. Bernhard Osterburg vom vTI-Institut für Ländliche Räume, einer der Organisatoren der Tagung, bewertete die Kosten verschiedener Ansätze zur Minderung des Treibhausgas-Ausstoßes aus umweltökonomischer Sicht.

Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass Produkte aus Holz wesentlich geringere negative Auswirkungen auf das Klima haben als vergleichbare Produkte aus anderen Werkstoffen. Noch stärker verbessern lässt sich dieser positive Klimaeffekt, wenn die Holzprodukte in Kaskadennutzung verwendet und an ihrem Lebensende energetisch genutzt werden und dadurch fossile Brennstoffe ersetzen, so Sebastian Rüter und Arno Frühwald vom vTI-Institut für Holztechnologie und Holzbiologie in Hamburg.

Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Fischerei beleuchtete Anne Sell vom vTI-Institut für Seefischerei. In der Nordsee kommen mittlerweile vor allem im Bereich des Ärmelkanals regelmäßig südliche Arten wie Sardine, Anchovy und Streifenbarbe vor. Die Klimaänderung führt hier regional zu einer Erhöhung der Artenzahl, die ökologischen Folgen sind aber noch unbekannt. Beim Kabeljau, einer wirtschaftlich bedeutsamen Art, scheint sich durch die höhere Wassertemperatur in der südlichen Nordsee das Nahrungsangebot für die Jungfische zu verschlechtern, was den Aufwuchsrate für den Kabeljau signifikant mindert.

Erika Claupein vom Max Rubner-Institut in Karlsruhe führte aus, dass auch der einzelne Verbraucher durch sein Ernährungsverhalten aktiv zum Klimaschutz beitragen kann. Bis zu 20 Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen gehen auf die Herstellung, Lagerung, den Vertrieb und die Zubereitung von Lebensmitteln zurück. Eine wesentliche Rolle spielt der Anteil tierischer Lebensmittel bei der Ernährung. Durch eine vegetarische Kost ließen sich rund 40 Prozent der ernährungsbegleitenden Emissionen vermeiden. Auch die saisongemäße Auswahl von regional erzeugtem Obst und Gemüse sowie die Bevorzugung gering verarbeiteter Lebensmittel anstelle von Tiefkühl- und Convenience-Produkten würden sich positiv auf die Klimabilanz auswirken. Besonders vorteilhaft: Eine klimafreundliche Ernährungsweise geht einher mit einer gesunden Ernährung.

Die Tagung zeigt, dass sich die deutsche Forschung in den letzten Jahren in beeindruckender Weise neu aufgestellt hat, um den Herausforderungen des aktiven Klimaschutzes und der Anpassung an den Klimawandel zu begegnen. In den letzten Jahren sind zu dieser Thematik eine Vielzahl regionaler, nationaler und internationaler Forschungsverbünde und Netzwerke zwischen Wissenschaft und Praxis entstanden, Entscheidungssysteme für die Praxis sind im Aufbau. Während vor allem die naturwissenschaftlichen Aspekte intensiv bearbeitet werden, sind ökonomische und sozialwissenschaftliche Untersuchungen bislang noch unterrepräsentiert. (vTI)

soweit die PM des vTI in BS, was mich als Slow Foodie natürlich besonders freut ist der direkte Hinweis auf den Zusammenhang zwischen regionaler, saisonaler und frischer Ernährung und Klimaschutz.

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